Eine erfolgreiche KI-Transformation ist unsere gemeinsame Verantwortung
Neunzehn Thesen als Bild einer tiefgehenden Transformation
Neunzehn Thesen kondensierte ich aus meinen Notizen zu all den Key Notes und persönlichen Gesprächen, die ich während des Big Bang KI Festivals 2025 führen durfte. Neunzehn Thesen über die immer schneller und weitreichender werdende Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Neunzehn Thesen, die den Arbeitsalltag von Führungskräften in den nächsten 10-15 Jahren wesentlich bestimmen werden.
Da sich daraus das Bild einer wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch so tiefgreifenden Transformation ergibt, habe ich Perplexity Pro gebeten, diese Thesen für mich für mich zu validieren, bevor ich weitere Schlüsse für meine Klienten und für meine eigene Arbeit daraus ziehe.
Hier nun die neunzehn Thesen inklusive der jeweiligen Bewertung durch Perplexity Pro (die dazugehörigen Quellen sind ganz unten) gefolgt von meinem vorläufigen Fazit:
AI will change everything—and that’s both exciting and terrifying.
These 1: Die volle Wucht der durch KI verursachten Veränderungen erreicht uns nicht in 20-30 Jahren, sondern in 2-3, also 2028-29.
🟡🟢 Die These ist teils bestätigt: Zahlreiche aktuelle Analysen prognostizieren eine starke technologische und wirtschaftliche Dynamik bereits spätestens ab Ende der 2020er Jahre, das Hauptpotenzial von KI-Durchbrüchen setzt also sehr viel schneller ein als in klassischen Technologiewellen.
These 2: Die ersten Umrisse einer AGI sind im Nebel der Entwicklungen bereits erkennbar und wird in spätestens 5 Jahren Realität.
🔴🟡 Diese Prognose ist stark umstritten. Einzelne Forscher und Akteure wie James Betker oder OpenAI halten eine AGI bis 2030 für denkbar, viele Expert:innen halten die Herausforderung aber für größer und schätzen den Zeithorizont auf 2040 oder später. Es gibt keine Mehrheit unter Forschenden für eine AGI bis 2030.
These 3: Bevor die nächste volkswirtschaftliche und gesellschaftspolitisch stabile Phase beginnt, liegen 10-15 Jahre teilweise ruppiger Transformation vor uns.
🟢 Bestätigt: Die meisten aktuellen Wirtschaftsstudien gehen von einer länger andauernden Periode intensiven Wandels über mindestens ein Jahrzehnt aus. Modellrechnungen sprechen von 2035 als Referenzpunkt für Stabilisierung.
These 4: Das Gros der Menschen und ihrer Führungskräfte ist noch nicht vorbereitet auf diese Transformation.
🟢 Richtig: Es herrscht in Politik, Gesellschaft und Unternehmen weithin Einigkeit darüber, dass die meisten Wirtschaftsteilnehmenden und Führungskräfte aktuell nicht ausreichend für die Tiefe der Transformation vorbereitet sind.
These 5: Den Führungskräften in der Wirtschaft kommt dabei die bedeutsame Schlüsselrolle zu, Menschen durch die Transformation zu führen, d.h. die Potenziale zu heben und gleichzeitig verantwortungsbewusst voranzugehen.
🟢 Richtig. Das wird so in vielen Studien und Meinungsbeiträgen betont und gilt als zentrale Herausforderung.
These 6: KI reduziert Unternehmenskosten nicht um 10%, sondern auf 10%.
🔴 Diese Aussage ist irreführend bzw. falsch. KI führt zu teilweise signifikanten Effizienzgewinnen, aber nicht zu einer Reduktion der Gesamtkosten auf 10% des Ausgangswertes. Übliche Expertenschätzungen gehen von Einsparpotenzialen im Bereich 10-40%, selten mehr, aber keinesfalls um Faktor 10.
These 7: Während der IQ von ChatGPT 4 bei 100-120 lag, liegt der IQ von ChatGPT 5 bei 150 und dabei weit über dem IQ von 99% aller Menschen.
🔴 Das ist eine Mythen/Marketingaussage und wissenschaftlich nicht belegt. Es gibt kein gültiges Verfahren zur objektiven IQ-Bestimmung von KI-Modellen, und alle Zahlenwertevorschläge sind hochumstritten.
These 8: Die demographische Lücke liegt 2030 bei 7 Millionen Menschen, die dem Arbeitsmarkt in Deutschland fehlen.
🟢 Die Zahlen variieren, aber die Größenordnung ist realistisch – Schätzungen reichen aktuell von 5 bis 7 Millionen fehlenden Arbeitskräften bis 2030.
These 9: Robotik mit integrierter KI drängt in viele Anwendungsbereiche vor (wie Medizin, Produktion, Haushalt…), um die demographische Lücke zu schließen.
🟢 Richtig: Das ist Stand der aktuellen Entwicklung und ein zentrales politisch-ökonomisches Ziel in Deutschland.
These 10: Der deutsche Robotikhersteller Neura ist technologisch auf Augenhöhe mit den besten weltweit.
🟡🔴 Für Neura gibt es keine Hinweise als international führender deutscher Robotik-Anbieter. Marktführer in Robotik sind nach wie vor Firmen wie KUKA, Festo, Universal Robots sowie internationale Konzerne. Die These ist vermutlich falsch oder zumindest stark überzeichnet.
These 11: Das Interesse in Deutschland an KI und an der Schöpfung ihrer Potenziale in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik steigt massiv, vielleicht sogar exponentiell an.
🟢 Richtig, nahezu alle Umfragen und Trend-Reports zeigen einen massiven Anstieg des Interesses sowie der Nutzung von KI in Deutschland.
These 12: Allen Unkenrufen zum Trotz: der Wirtschaftsstandort Deutschland ist gut und zusehends besser aufgestellt, um die Transformation noch rechtzeitig zu bewältigen.
🟡🟢 Das ist eine optimistische, aber von Studien (wie PwC, IW) abgedeckte Einschätzung für das Basis- und Zukunftsszenario – vorausgesetzt, regulatorische und organisatorische Anpassungen gelingen.
These 13: Überall ist Aufbruch zu spüren.
🟡🟢 Das ist eine subjektive Einschätzung, aber sie wird von Medien und Studien oft unterstützt. Der Tenor zum „KI-Sprung“ in Wirtschaft und Institutionen ist vielerorts nachweisbar.
These 14: In nahezu jedem Bereich ergeben sich Potenziale für neue Geschäftsmodelle.
🟢 Bestätigt: KI gilt als Querschnittstechnologie und Ermöglicher für neue Geschäftsmodelle quer durch die Branchen.
These 15: KI verbraucht mehr Energie als wir herstellen können.
🔴 Falsch: KI verbraucht heute 1,5% unserer Energieproduktion und wird bis 2035 zwischen 3-6% unserer Energieproduktion benötigen. KI wird zwar ein relevanter Verbraucher, aber nicht zum globalen Energiemonster.
These 16: Das Risiko einer durch KI verursachten Arbeitslosigkeit betrifft vor allem junge Menschen am Anfang ihrer Karriere, da KI immer mehr standardisierte Einsteigertätigkeiten übernimmt.
🟢 Bestätigt: Ein großer Teil der durch KI automatisierbaren Arbeit betrifft traditionelle Einstiegstätigkeiten; jüngere Menschen (und Jobsuchende ohne Berufserfahrung) sind besonders betroffen.
These 17: Eine Regulierung von KI (z.B. durch internationale Verträge oder Gesetze wie den EU AI Act) ist bereits mittelfristig weniger ein Verhinderer, sondern eher ein Beschleuniger erfolgreicher Geschäftsmodelle.
🟢 Diese These wird zunehmend vertreten. Viele Studien und Marktbeobachter erwarten, dass klare, vertrauensbildende Regeln (z.B. EU AI Act) Märkte bereiten und Innovation beschleunigen.
These 18: Der Einsatz von KI wird sich nun auch in kleinen Unternehmen stark beschleunigen (66% aller großen und 36% aller kleinen Unternehmen setzen KI ein).
🟢 Fast korrekt: Jüngste Bitkom-Zahlen und andere Studien (2025) sprechen von ca. 50% Unternehmen insgesamt mit KI-Aktivität, der Anteil bei großen liegt aber tatsächlich über 60%, bei kleinen Unternehmen bei ca. einem Drittel.
These 19: Die Motivation in KI zu investieren ist für Unternehmen keine Frage der Personaleinsparung, sondern eine des Zugewinns an Effizienz und zur Abfederung des Fachkräftemangels.
🟢 Aktuelle Studien (IDW, Bitkom) bestätigen das. Es geht vor allem um Erleichterung von Routineaufgaben (85% aller Unternehmen), Unterstützung komplexer Aufgaben (70%), Qualitätsverbesserungen (65%) und Abfederung des Fachkräftemangels (37%). Erst danach folgen Personaleinsparung (29%) und Rohstoff- bzw. Energieeinsparung (20%).
Ein Nicht-Fazit
Im großen Viereck der politischen, gesellschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen weltweit ist jeder Blick in eine 10-Jahres-Glaskugel pures Glücksspiel. Bereits der Blick zwei Jahre in die Zukunft ist wahrscheinlich bereits in zwei Wochen wieder veraltet. Und die oben genannten neunzehn Thesen inklusive der Bewertungen durch Perplexity sind natürlich auch alles andere als vollständig, so fehlt beispielsweise die lange Liste großer Risiken und Chancen, die sich für uns alle ergeben.
Daher will ich gar kein meinungsbildendes Fazit aus diesen Thesen ziehen. Vielleicht sind sie aber eine gute Anregung mit anderen Menschen in Ihrem Umfeld, mit Ihrem Team oder anderen Führungskräften ins Gespräch zu kommen und gemeinsam zu überlegen, wie Sie die Zukunft gestalten werden.
In dieser weltweiten Umwälzung kommt es vor allem auf die Führungskräfte (und ihre Ratgeber) an, Menschen mit viel Verantwortung in die Zukunft zu führen.
DER LESE-TIPP
Wie lässt sich Künstliche Intelligenz menschenzentriert gestalten – jenseits von Hype und Technikgläubigkeit?
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Quellenangaben
Hier ist die Liste aller von Perplexity verwendeten Quellen zur Verifizierung der Thesen, jeweils mit Titel und Veröffentlichungsdatum (wo verfügbar):
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Wie schnell wird KI besser?, Future Management Group (28.01.2025) futuremanagementgroup
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Studie: Globaler KI-Markt wächst dreimal so schnell wie der Tech-Markt, Sopra Steria (16.09.2024) soprasteria
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Studie – KI-Markt wird sich bis 2028 mehr als verdoppeln, Handelsblatt handelsblatt
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KI-Revolution: Zu schnell oder zu langsam?, BR24 br
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Künstliche Intelligenz, Statista (26.11.2024) statista
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Artificial General Intelligence; AGI bis 2029, James Betker (25.06.2024) ai-handwerk
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Globale PwC-Studie „Value in Motion“ beziffert Chancen, Risiken und Wechselwirkungen von KI und Klimawandel, PwC (28.04.2025) pwc
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SZENARIO-REPORT: KI-BASIERTE ARBEITSWELTEN 2030, Fraunhofer IAO digital.iao.fraunhofer
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AGI: Was Dich in der Zukunft erwartet, Protectstar (12.02.2025) protectstar
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Künstliche Intelligenz als Wettbewerbsfaktor für die deutsche Wirtschaft, IW Köln iwkoeln
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Zur Diskussion der Effekte Künstlicher Intelligenz in der Wirtschaftswissenschaftlichen Literatur, BMWK bundeswirtschaftsministerium
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Ist Artificial General Intelligence (AGI) auf dem Vormarsch?, Universität St. Gallen (29.05.2025) unisg
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Künstliche Intelligenz – Impulse zu einem Megatrend, BMWK bundeswirtschaftsministerium
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KI-Mythen entzaubert: Die Entwicklung einer Technologie im Faktencheck, Civic Data (09.04.2025) civic-data
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KI: Bei diesen Prognosen lag Elon Musk falsch, Handelsblatt handelsblatt
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Künstliche Intelligenz in Deutschland, KfW (Juni 2024) kfw
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Künstliche Intelligenz (KI): Verbreitung, Anwendungen und Auswirkungen, ifo Institut/IHK ifo
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Artificial General Intelligence, Mindsquare (10.04.2025) mindsquare
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Erstmals beschäftigt sich mehr als die Hälfte der Unternehmen mit KI, Bitkom (07.01.2025) bitkom
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