LINC Personality Profiler: Wie setze ich den LPP im Coaching ein?

Senior Managerin liest Linc Personality Profile

Fünf Jahre LPP – Was sind meine Erfahrungen mit dem LINC Personality Profiler?

Wie die Zeit vergeht: seit ziemlich genau fünf Jahren darf ich mich als LINC Certified Personality Profiler bezeichnen. Das ist wohl der perfekte Zeitpunkt über meine Erfahrungen mit dem Tool zu berichten, ein paar konkrete Use Cases in meiner Arbeit als Executive Coach & Karriereberater für Führungskräfte zu zeigen, ihn mit anderen Tools zu vergleichen und natürlich zu erklären wie der LPP überhaupt funktioniert.

Führungskräfte und ihr blinder Fleck

Führungskräfte kennen ihr Unternehmen. Sie kennen ihre Zahlen, ihre Wettbewerber, ihre Branche. Viele von ihnen haben jahrelang daran gearbeitet, in ihrem Feld zur Expertin oder zum Experten zu werden. Und doch begegne ich in meiner Coaching-Praxis immer wieder demselben blinden Fleck: die eigene Persönlichkeit kennen die wenigsten wirklich gut.

Nicht weil es an Intelligenz oder Reflexionsbereitschaft mangelt. Sondern weil der Alltag in Führungspositionen kaum Raum lässt für die Frage, wer man eigentlich ist.

Jenseits der beruflichen Rolle, der Erwartungen aller Stakeholder, der erwünschten Ergebnisse.

Und genau ab hier beginnen Persönlichkeitstests wie der LINC Personility Profiler mit ihrer Analyse.

Ganz und gar man selbst zu sein, kann schon einigen Mut erfordern.
Sophia Loren

Was ist der LINC Personality Profiler?

Der LINC Personality Profiler (kurz: LPP) ist ein wissenschaftlich fundiertes Instrument und besonders interessanter Ansatz im Bereich der Persönlichkeitsanalyse und -entwicklung, das von der LINC GmbH mit Sitz in Lüneburg entwickelt wurde. Er basiert auf dem Big-Five-Modell, das heute international als das universelle Modell der Persönlichkeitspsychologie gilt und in über 3.000 wissenschaftlichen Studien verwendet wurde.

Was den LPP von vielen anderen Persönlichkeitstests (oder auch Persönlichkeitsanalysen) unterscheidet: Er beschränkt sich nicht auf den Charakter allein. Neben den Charaktereigenschaften erfasst er auch Motive und Kompetenzen. Diese drei Bausteine werden ganzheitlich abgebildet und in Beziehung zueinander gesetzt. Das Ergebnis ist kein flaches Persönlichkeitsprofil, sondern ein differenziertes Profil der eigenen menschlichen Persönlichkeit.

Der LPP ist ein Online-Persönlichkeitstest, dessen Fragebogen in etwa 30 Minuten ausgefüllt ist. Der daraus generierte Ergebnisreport ist mit 34 Seiten detailliert aufbereitet und in einer Sprache geschrieben, die Menschen ohne psychologischen Hintergrund gut verstehen. Im Coaching-Kontext ist das ein echter Vorteil: Der Report kann direkt als Gesprächsgrundlage dienen, ohne dass es einer langen Einführung bedarf.

Nicht zuletzt ein Aspekt, der gerade bei persönlichen und vertraulichen Themen zählt: Der LINC Personality Profiler wird ausschließlich auf deutschen Servern verarbeitet, ist DSGVO-konform und gibt keine Daten in Drittländer weiter.

Wer sich mit seiner eigenen Persönlichkeit, seinen Motiven und seinen Entwicklungspotenzialen auseinandersetzt, darf darauf vertrauen, dass mit diesen Informationen verantwortungsvoll umgegangen wird.

CEO liest Linc Personality Profile

Die eigene Persönlichkeit in drei Bausteinen: Charakter, Motive, Kompetenzen

Was macht einen Persönlichkeitstest wirklich aussagekräftig? Aus meiner Erfahrung als Coach ist es die Kombination aus mehreren Perspektiven. Der LPP liefert genau das, indem er drei Bausteine zusammenführt, die sich gegenseitig erklären und ergänzen.

Baustein 1: Der Charakter

Die Charaktereigenschaften beschreiben, wie wir uns verhalten. Sie bilden den Kern der Persönlichkeit und werden im LPP anhand der fünf Hauptdimensionen des Big-Five-Modells erfasst: Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Kooperationsbereitschaft und emotionale Stabilität. Jede dieser Dimensionen wird zusätzlich in sechs Facetten aufgeteilt, sodass am Ende nicht fünf grobe Werte stehen, sondern 30 differenzierte Ausprägungen. Das hat konkrete Auswirkungen auf das Coaching: Zwei Führungskräfte können auf der Hauptdimension ähnlich ausgeprägt sein und sich in Arbeitsstil und Kommunikation trotzdem völlig unterschiedlich verhalten.

Baustein 2: Die Motive

Motive erklären, warum wir uns so verhalten, wie wir es tun. Der LPP erfasst neun Handlungsmotive, darunter Leistung, Beziehung, Einfluss, Sicherheit und Sinnorientierung. In meiner Arbeit zeigt sich immer wieder: Gerade bei Führungskräften sind es die Motive, die den tiefsten Aha-Moment auslösen. Wenn jemand versteht, warum er in bestimmten Situationen so reagiert wie er reagiert, verändert das die Selbstwahrnehmung und die persönliche Weiterentwicklung nachhaltig.

Baustein 3: Die Kompetenzen

Der dritte Baustein beleuchtet, was wir besonders gut können und was uns eher schwerfällt. Der LPP bildet 25 erfolgskritische Kompetenzen ab und liefert dabei zwei Informationen gleichzeitig: die Selbsteinschätzung der Person und einen wissenschaftlich fundierten Referenzwert. Dieser Abgleich zwischen Selbstbild und Kompetenzprofil ist oft aufschlussreicher als die einzelnen Werte für sich genommen.

Zusammen ermöglichen die drei Bausteine eine ganzheitliche Erfassung der Persönlichkeitsstruktur, die über eine einfache Typisierung weit hinausgeht. Nicht „du bist so ein Typ“, sondern: So verhältst du dich, das treibt dich an, und das sind deine Stärken und Entwicklungsfelder.

Wie läuft ein Persönlichkeitstest ab?

Der Ablauf ist einfacher, als viele erwarten. Nach einem kurzen Einführungsgespräch erhält der Klient einen persönlichen Zugangslink zum Fragebogen. Die Bearbeitung dauert etwa 30 Minuten. Das Antwortformat ist so gestaltet, dass bewusste Verfälschungen schwierig sind: Statt einzelner Aussagen zu bewerten, werden immer mehrere Optionen gegeneinander abgewogen und priorisiert.

Ja, natürlich habe ich den LPP auch für mich selbst gemacht 😉

Unmittelbar nach Abschluss des Fragebogens wird der 34-seitige LPP-Report automatisch generiert. Er enthält grafische Übersichten, individuelle Auswertungstexte zu allen drei Bausteinen sowie konkrete Handlungsempfehlungen für Bereiche wie Kommunikation, Arbeitsstil und Führung. Wer tiefer gehen möchte, kann zusätzliche Tiefenprofile zu spezifischen Themen wie Führung, Resilienz oder Agilität abrufen.

Das eigentliche Herzstück ist die Auswertung im gemeinsamen Gespräch. Hier werden die Ergebnisse des LPP nicht einfach präsentiert, sondern gemeinsam reflektiert. Was überrascht? Was bestätigt sich? Wo liegen die blinden Flecken? In meiner Praxis dauert dieses Gespräch rund 60 Minuten und legt die Grundlage für die gemeinsam festgelegten Schwerpunkte der weiteren Coaching-Arbeit.

Was haben Klienten davon? Echte Aha-Momente aus der Praxis

So ein Big Five Persönlichkeitstest ist kein Selbstzweck. Die entscheidende Frage ist: Was verändert sich durch die Beschreibung der menschlichen Persönlichkeit?

Was ich in den Auswertungsgesprächen immer wieder erlebe: Die meisten Klienten fühlen sich sehr klar erkannt. Dabei sind es selten radikal neue Erkenntnisse über die eigene Persönlichkeit. Vieles war irgendwie schon bekannt, aber nie so greifbar. Allein die Tatsache, es strukturiert und schwarz auf weiß vor sich zu sehen, hat für die meisten meiner Klienten etwas Augenöffnendes.

Die Ergebnisse ermöglichen die eigene Persönlichkeit besser zu verstehen. Der Personality Profiler ermöglicht ost sogar passgenaue Maßnahmen (gerade in Verbindung mit einem Training) zum Umgang mit Stress zu entwickeln

Besonders geschätzt werden die drei Seiten voller individueller Denkanstöße, die der LPP zu jedem Charakterprofil liefert. Konkrete Impulse für Kommunikation, Arbeitsstil und Führung, die sich nicht wie generische Ratschläge anfühlen, sondern wie eine präzise Beschreibung der eigenen Muster.

Ein weiterer Abschnitt, der in den Gesprächen regelmäßig für intensive Reflexion sorgt, sind die fünf Seiten zum Umgang mit anderen. Der LPP beschreibt dort sowohl die positiven als auch die kritischen Aspekte der Fremdeinschätzung: Wie wirke ich auf andere? Wo werde ich möglicherweise missverstanden? Der systematische Abgleich von Selbst- und Fremdbild ist für viele Führungskräfte besonders wertvoll. Wer diese Erkenntnisse gezielt nutzt, legt damit eine fundierte Basis für nachhaltige Persönlichkeitsentwicklung.

Das Profil liefert keine Antworten auf alle Fragen. Aber es stellt die richtigen. Und das ist oft der wertvollste erste Schritt.

Drei Use Cases – Ein Blick in die Praxis

Drei Klienten, drei völlig unterschiedliche Ausgangssituationen. Und doch hat der LINC Personality Profiler in allen Fällen dasselbe geleistet: er hat sichtbar gemacht, was ohne ihn verborgen geblieben wäre.

Mit Bitte um Verständnis: Die Use Cases sind zwar reale Fälle, aber anonymisiert. Die Bilder sind KI-generiert.

CEO liest Linc Personality Profile

Alex, Geschäftsführender Gesellschafter

Alex übernahm nach dem plötzlichen Tod einer langjährigen Gesellschafterin die alleinige Führung einer mittelständischen Firmengruppe mit mehreren hundert Mitarbeitenden.

Eine Rolle mit hohem Anspruch, die er in einer persönlich belastenden Phase antrat.

Der LPP (zusammen mit der Tiefenanalyse Führung) machte dabei eine Spannung sichtbar, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich war: ausgeprägte Dominanz auf der einen Seite, hohe emotionale Sensibilität auf der anderen. Dazu ein maximales Leistungsmotiv, das Selbstwert und Ergebnis eng miteinander verknüpft. 

Der LPP gab dem Coaching damit präzise inhaltliche Anregungen für die Arbeit der nächsten zwölf Monate.

Senior Managerin liest Linc Personality Profile

Sandra, Leiterin Finanzen

Sandra hatte gerade eine erweiterte Führungsrolle übernommen und sollte auf Initiative ihres CEOs den Schritt von der operativen zur strategischen Ebene machen.

Ihr Werdegang war alles andere als klassisch, was ihr intern niemand vorwarf, was sie selbst aber immer wieder zweifeln ließ, ob sie auf diesem Niveau wirklich hingehört.

Der LINC Personality Profiler machte sichtbar, was auf dem Papier fehlte, in der Person aber längst vorhanden war: ein klares Stärkenprofil, ein unverwechselbares Führungsmuster und Kompetenzen, die sich als roter Faden durch einen vermeintlich kurvenreichen Werdegang zogen.

Der LPP-Report wurde zu einer wesentlichen Inspiration für Sandra, ihre Potenziale gezielt anzugehen.

Junior Manager liest Linc Personality Profile

Daniel, Key Account Manager

Daniel wollte seine berufliche Rolle bewusster gestalten. Der LPP machte dabei eine zentrale innere Spannung sichtbar, die seinen Alltag unbewusst prägte: ein sehr hohes Unabhängigkeitsmotiv auf der einen Seite und ein ebenso stark ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis auf der anderen.

Darüber hinaus zeigte das Profil, wie er zwischen einem authentischen, impulsiven Kern und einem erlernten, strategisch-kontrollierten Außenverhalten pendelt, mit konkreten Auswirkungen auf seinen Führungsstil, seine Kommunikation und seine persönlichen Ventile.

Der LINC Personality Profiler lieferte damit den Ausgangspunkt für die Arbeit daran, berufliche Rolle und persönliche Identität in Einklang zu bringen.

Verschiedene Tools der Persönlichkeitsanalyse im Vergleich

Wer sich mit Persönlichkeitsdiagnostik beschäftigt, stößt schnell auf eine Vielzahl von Persönlichkeitstests. Einige sind seit Jahrzehnten etabliert, andere gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die folgende Übersicht zeigt, wo der LINC Personality Profiler im Vergleich zu drei weit verbreiteten Instrumenten steht.

Vergleich · Persönlichkeits­diagnostik
LPP DISG MBTI Insights Discovery
Wissenschaftliche Basis Big Five (Goldstandard der Persönlichkeitspsychologie) Eigenständiges Modell, nicht Big-Five-basiert Jungianische Archetypen, wissenschaftlich umstritten Jungianische Archetypen
Ansatz Dimensional (Ausprägungen auf Skalen) Typologisch (4 Typen) Typologisch (16 Typen) Typologisch (4 Farbprofile)
Erfasste Bereiche Charakter, Motive und Kompetenzen Verhaltensstile Kognitive Präferenzen Verhaltensstile
Differenzierungstiefe Hoch (30 Facetten, 9 Motive, 25 Kompetenzen) Gering Mittel Gering
Datenschutz DSGVO-konform, deutsche Server Variiert je nach Anbieter Variiert je nach Anbieter Variiert je nach Anbieter
Stärke Tiefe, Differenziertheit, wissenschaftliche Fundierung Einfachheit, schnelle Vermittelbarkeit Weite Bekanntheit Visuelle Kommunikation
Kritik Weniger bekannt, erfordert zertifizierten Anwender, höherer Zeit- und Kostenaufwand Wissenschaftlich wenig fundiert, 4 Typen fördern Schubladendenken, keine Aussage zu Motiven oder Kompetenzen Wissenschaftlich umstritten, geringe Retest-Reliabilität, Typologisierung kann einengen Stark vereinfachend, geringe wissenschaftliche Fundierung, starke Anbieterbindung
Typologische Verfahren wie DISG oder MBTI haben ihre Berechtigung, besonders wenn es darum geht, Ergebnisse schnell und eingängig zu vermitteln. Der LINC Personality Profiler setzt bewusst auf einen anderen Ansatz: weniger Vereinfachung, dafür mehr Tiefe. Das macht ihn anspruchsvoller in der Auswertung, aber auch aussagekräftiger für die Arbeit an komplexen Führungs- und Persönlichkeitsfragen.

Neben dem individuellen Coaching lässt sich der LPP übrigens auch gezielt für Teamentwicklung, Personalauswahl und Führungskräfteentwicklung einsetzen.

Mein persönliches Fazit

Der LINC Personality Profiler ist kein Tool für jeden Anlass. Er entfaltet seinen vollen Wert dort, wo echte Tiefe gefragt ist: bei Führungskräften, die in neue Verantwortung hineinwachsen, bei erfahrenen Managern, die ihre Wirkung besser verstehen wollen, und bei Menschen, die an einem Punkt stehen, an dem sie sich und ihre Rolle klarer sehen möchten.

Aus meiner durchweg positiven Erfahrung mit über fünf Jahren Einsatz dieses Instruments: Der LPP ist keine abschließende „Schubladen-Bewertung“ eines Menschen, sondern immer nur der Anfang für anregende und vertrauensvolle Gespräche, die ohne ihn oft gar nicht stattfinden würden.

Wenn Sie neugierig geworden sind, ob eine Persönlichkeitsanalyse mit dem LINC Personality Profiler auch für Sie oder Ihr Team in Training oder Coaching sinnvoll sein könnte, sprechen Sie mich gerne an.

PS: den LPP gibt es auch als Linc Career Profiler (in meiner Erfahrung eher für Menschen am Anfang ihres Berufsweges), Linc Candidate Check (im Recruiting) und Team Check (für Teams).

DER LESE-TIPP

Einer der häufigsten Fehler als Führungskraft ist es, zwar das Business, nicht aber sich selbst zu managen.

 

  • Bewältigung von Stress,
  • die Pflege von individuellen Bedürfnissen und Zielen,
  • die eigene körperliche und geistige Gesundheit,
  • die persönliche Work-Life-Balance
werden von den allermeisten ManagerInnen immer hintenan gestellt, oft sogar vollständig ignoriert. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen kein gutes. Und was können Sie dagegen tun, am besten präventiv?
Lesen Sie dazu meinen Blogpost über Burnout am Beispiel des Sportfunktionärs Max Eberl.
Christoph Kopp, Executive Coach, München

Der direkte Draht zu Christoph

Gerne auch per Email an mail@christoph-kopp.com

Kontaktformular Standard (#5)

Hinweis: Alle Felder mit einem * sind erforderlich, damit Christoph individuell antworten kann.

Diese Blog Posts könnten Sie auch interessieren…

Big Bang Innovation Award 2025 – Cobi ist die HR Innovation des Jahres

Big Bang Innovation Award 2025 – Cobi ist die HR Innovation des Jahres

Im September 2025 nahm ich in Berlin den Big Bang Innovation Award in der Kategorie HR Innovation entgegen. Die Auszeichnung für Cobi ist für mich als Solo-Selbständigen ein wichtiger Checkpunkt: Bin ich auf dem richtigen Weg? Die Jury sagt ja. Doch der Award ist keine Ziellinie – sondern eine wertvolle Zwischenstation.

mehr lesen
Neunzehn Thesen zur Transformation durch Künstliche Intelligenz

Neunzehn Thesen zur Transformation durch Künstliche Intelligenz

Neunzehn Thesen kondensierte ich aus meinen Notizen, die während des Big Bang KI Festivals 2025 entstanden. Alle Thesen ließ ich von Perplexity bewerten, um ein klareres Bild zu bekommen über die immer schnellere Entwicklung Künstlicher Intelligenz und über die Aufgaben, die auf Führungskräfte in der Transformation zukommen.

mehr lesen